Ferdinand von Wintzingerode

    
Ferdinand wurde am 15. Februar 1770 in Allendorf als zweiter Sohn Wilhelm Ernst Lewins geboren. Seine Taufpaten und Namensgeber waren der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin Christiane Charlotte von Hessen-Cassel, Generalleutnant Frierich Christian von Wolf und Generalmajor Carl Wilhlm von Schlotheim. Ferdinands Vater starb 1781 mit 43 Jahren an Auszehrung in Kassel. Ein Jahr später am 17. April 1782 verstarb auch die Mutter 38-jährig auf dem Weg zum Grab ihres Mannes an einem Schlaganfall. Das hinterlassene Erbe bestand nur aus dem Oberhof in Kirchohmfeld. Reichsgraf Ernst Levin übernahm die Vormundschaft über die Minderjährigen. Ferdinand kam ins Kasseler Kadettenhaus, wo er sich sehr talentiert bei geistigen sowie körperlichen Herausforderungen zeigte.
   
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Eine besondere Liebe verband ihn mit den Pferden, welche zu pflegen regelmäßig zu den Pflichten eines Kadetten gehörte. 1785 verließ Ferdinand das Kadettenhaus. Dies erfolgte aber in einer Art und Weise, die der Kariere Ferdinands fast ein frühes Ende gesetzt hätte. Er hatte sich nämlich mit der Maitresse des Thronfolgers stundenlang spazierend in Kassel sehen lassen, was natürlich nicht mit besonderem Wohlwollen zur Kentniss genommen wurde. Bei der fälligen Bestrafung machte er sich dazu noch eines Subordinationsvergehens schuldig, weil er seine Zunge nicht hüten konnte. Also wurde er zu 4 Wochen Festungsarrest und Versetzung nach Schmalkalden ins Garnisonbataillon verdonnert. In Schmalkalden nahm er ohne Wissen seines Vormundes seinen Abschied und verließ den Dienst ohne Genehmigung. Mittellos heuerte er bei den Österreichern als Gemeiner an. Auf dem Transport kam er durch Coburg, wo er zufällig dem kaiserlichen Feldmarschall Herzog Josuas von Coburg-Saalfeld auffiel. Dieser nahm ihn sofort in Coburgische Dienste. Dem ruhigen Leben überdrüssig, nahm er als Freiwilliger am österreichischen Feldzug in die Niederlanden teil, aus dem er als Hauptmann zurückkehrte.
Die Coburger Herzogin erreichte, wohl in Sorge um ihre Tochter Prinzessin Juliane, die eine offensichtliche Vorliebe für Ferdinand entwickelte, daß er wieder in hessische Dienste kam. Hier nahm er an den Koalitionskriegen gegen Frankreich 1792 und 1793 teil.

 

Über eine Anstellung als Kammerherr beim Prinzen Ferdinand von Preußen in Berlin kam v.W. wieder in österreichische Dienste beim Feldmarschall Prinz Josuas von Coburg. Am 12. August 1795 begleitete Ferdinand die 3 Coburger Prinzessinen auf einer Reise nach Petersburg, wo sich die Zarin Katharina II. von Rußland eine von den dreien als Gemahlin für ihren Enkel, den Großfürsten Konstantin aussuchen wollte. Während des Aufenthalts lernte Ferdinand den General Kutusow kennen, der zu der Zeit eine Kadettenschule leitete.
Die Wahl für die Braut fiel auf Juliane, die darüber rehct unglücklich war, aber es schaffte, daß Ferdinand noch für eine Weile in Petersburg blieb. Am 15. Februar 1796 heiratete Juliane den 16-jährigen Großfürsten Konstantin.
Im November beendete ein Schlaganfall die Herrschaft Katharinas und entgegen ihren Plänen zog ihr Sohn Paul die Herrschaft an sich, da sich ihr Enkel Alexander nicht durchsetzen konnte. Großfürst Konstantin und sein Adjudant Ferdinand v. W. kamen ins Regiment nach Ismailow, Konstantin als Kommandant, Wintzingerode als Oberstleutnant.Lange währte sein Dienst unter Konstantin nicht, bereits am 23. 3. 1799 wurde er als Oberstleuntant in die Reihen der Österreicher unter Erzherzog Karl aufgenommen. Nach dem Krieg blieb er in Polen, verkehrte aber auch in russischen Adelskreisen, da er ja immer noch Adjudant Konstantins war. Unter Zar Paul I. entwickelte sich Rußland in einer verhängnissvollen Weise, die auch die Schicksale Alexanders und Ferdinands beeinflußte. Alexander übernahm im Handstreich die Macht von Paul, der dabei zu Tode kam. Das Leben in Petersburg, unter Paul zensiert und tyrannisiert, normalisierte sich. Da innere Reformen am Widerstand der Gutbesitzer und des Adels scheiterten, legte Zar Alexander seinen Schwerpunkt auf die Außenpolitik. Es begann der Krieg Napoleons gegen Europa. Ferdinand verließ die Österreicher und die Garnison Lemberg, wo er mit seiner Ehefrau lebte und wurde Genraladjudant bei Alexander.
{mospagebreak}Eine wichtige Mission führte Ferdinand nach Berlin, wo er vergeblich versuchte, den preußischen König zur Allianz mit den Russen zu bewegen. Im Gegenteil schlug ihm ungehemmte Mißgunst entgegen, schließlich war er ein armer, eichsfelder Freiherr, der einmal versucht hatte in preußische Dienste zu gelangen. Noch dazu war das Eichsfeld 1802 preußisch geworden, er also Untertan. Ferdinand reiste weiter nach Wien, wo er am 16. Juli einen Vertrag mit den Österreichern abschloß. Im August wurde Kutusow Kommandierender der 1. Armee. Die Russen konnten Österreich nicht schnell genung erreichen, im Oktober erlitten sie bei Ulm eine Niederlage. Der österreichische General Mack kapitulierte ohne Gegenwehr und ließ seine Truppen in die Gefangenschaft gehen. Damit waren die Russen in großer Gefahr, da sie sich nicht mehr schnell genug zurückziehen konnten. Der französische General Murat war kurz davor Kutusow zu stellen und zu vernichten. Kutusow schickte Ferdinand zu Murat, um ein Scheinverhandlungen Zeit zu gewinnen, was dieser auch durch geschickte Spielen mit seinem Gegner erreichte. Napoleon schaffte es nicht mehr rechtzeitig einzugreifen und Kutusow zu schlagen. Wintzingerode hatte sich als Oberbefehlshaber des russischen Heeres ausgegeben und Murat getäuscht.
Entgegen dem Rat Kutusows suchte Zar Alexander zusammen mit den Resten der Österreicher die Entscheidung und erhielt sie bei Austerlitz. Rußland schloß mit Frankreich Frieden und Alexander versuchte Napoleon nachzueifern. Ferdinand verließ Rußland und wurde am 11. 2. 1807 in der k.u.k. österreichischen Armee als Generalmajor mit einem Kommando in Papa (Ungarn) angestellt.Am 21. und 22. Mai 1809 nahm Österreich den Kampf gegen Napoleon wieder auf und siegte in Schlacht von Aspern und Eslingen. Ferdinand wurde hier schwer am Fuß verletzt, hatte sich aber so gut gschlagen, daß er noch auf dem Feld von Erzherzog Karl zum Feldmarschall-Leutnant ernannt wurde. Der österreichische Kaiser verlieh ihm das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens.{mospagebreak}Trotzdem mußte Ferdinand später Österreich verlassen und in Prag Zuflucht suchen, denn der Kaiser hatte seine Tochter Marie Luise Napoleon zur Frau gegeben, was die Stellung Österreichs zu Frankreich grundlegend änderte. Ferdinand fand mit seiner Frau und seiner Tochter Fuflucht in Prag. Hier wurde sein erster Sohn, Ferdinand Philipp Theodor geboren. Ein ständiges Sausen und Rauschen im Kopf wurde von den Ärzten als Folge seiner Kopfverletzung oder als Vorbote eines Schlaganfalles diagnostiziert. Er nahm vorerst seinen Abschied und besuchte das Eichsfeld um einige Famlienangelegenheiten zu klären. Um seine Familie vor französischer Repression zu schütze verzichtete er auf seinen Erbteil und alle Besitzrechte auf dem Eichsfeld. Zurückgekehrt wurde er österr. Isnpektor für Galizien.
Die Spannungen zwischen den vermeintlichen Freunden Napoleon und Zar Alexander wuchsen, man bereitete sich auf den Krieg vor. Ferdinand ging nach Petersburg. Für seine polnische Frau brachen schwere Zeiten an, da Polen sich auf die Seite Naoleons gestellt hatte, da es die Wiederherstellung des polnischen Königreiches erhoffte. Bei Alexander war Ferdinand in guter Gesellschaft, z.B. die des Herrn von und zum Stein. Die russischen Truppen zogen sich, sehr zum Unmut der Bevölkerung immer weiter zurück. Wintzingerode hatte die Aufgabe im rücken der Franzosen einen Guerilliakrieg zu führen. Zar Alexander ernannte Kutusow zum alleinigen Oberbefehlshaber der russischen Armee. Es ging ein Ruck durch Rußland, man bereitete sich auf den Gegenschlag vor. Die Schalcht von Borodino gewannen aber ersteinmal die Franzosen. Die russische Armee bezog vor Moskau Stellung und richtete sich auf die Entscheidungsschlacht ein. Kutusow entschied gegen die Mehrzahl seiner Generäle, Moskau aufzugeben. Moskau wurde geräumt, während Wintzingerodes Einheit das Jaroslawler Tor beschützte. Napoleon erreichte Moskau und fand es leer, niemand kam, um ihm den Schlüssel der Stadt zu überreichen. Er zog in Moskau ein und die Stadt fing an zu brennen. In sechs Tagen verbrannte Moskau und ließ eine hungernde französische Armee und ein vor Wut erbebendes russisches Volk zurück. Kutusow zog einen festen Ring um Moskau, in dem ein hungernder, materiell entblöster Feind saß. Bei der Verfolgung der fleihenden Franzosen geriet Ferdinand in Gefangenschaft, als er vesuchte die Sprengung des Kreml zu verhindern. Man schickte ihn auf einem Konvoi zu Napoleon.
{mospagebreak}Napoleon tobte als er seinem Intimfeind gegenüber stand und wollte ihn am liebsten gleich erschießen lassen. Er besann sich dann aber daruf ihn zusammen mit Wintzingerodes Adjudanten Narischkin nach Kassel bringen zu lassen. Zar Alexander hatte angeordnet und Napoleon darüber informiert, daß 5 gefangene französische Offiziere vom höchsten Dienstgrad an erschossen werden, falls Ferdinand etwas passieren sollte. Auf dem Weg wurde Wintzingerode jedoch von Kosacken Tschenischews befreit. Napoleon floh verkleidet über Warschau, Dresden und Erfurt nach Paris. Ferdinand wurde von Kutusow zum Kommandeur der Avantgarde der russischen Armee ernannt und nach Grodno beordert. Er befehligte jetzt 15000 Mann. In Wintzingerodes Truppe diente auch Prinz Eugen von Württemberg, der von Zar Paul I. eigentlich als Thronnachfolger vorgesehen war. Der Prinz bat Ferdinand den Sturm auf die Stadt Kalisch führen zu dürfen, was ihm gewährt wurde, da Ferdinand die Verstimmung zwischen beiden abbauen wollte.
Die russische Armee erreichte Deutschland und Preußen trat auf die Seite der Befreier. Wintzingerode erreichte Dresden und am 28. April 1813 starb Kutusow. Als Befahlshaber war Ferdinand nicht sonderlich beliebt, da er recht wortkarg war und nur gebrochen russisch konnte. Wintzingerode wurde dem Kommando Blüchers unterstellt, mit dessen preußischer Art zu Befehlen er nicht besonders klar kam. Eine erste Bewährungsprobe mußte die neuen Verbündeten in der Schlacht von Lützen bestehen. Hier befehligte Ferdinand 13700 Mann mit 72 geschützen. Nach der Schalcht erhielt er von Preußen den Roten-Adler-Orden 1. Klasse und von rußland den Vladimir-Orden 2. Klasse, sein Kommando wurde auf 30'000 Mann erweitert. Der Ausgang der Schlacht dämpfte die Euphorie unter der Bevölkerung, man fürchtete eine Rückkehr Napoleons. Ferdinand verließ mit den Truppen Dresden und die Franzosen zogen wieder ein.
{mospagebreak}Nach der Einigung Preußens, Rußlands, Österreichs, Schwedens und Englands in der Trachtenberger Konferenz kam Wintzingerode unter das Kommando von Kronprinz Bernadotte von Schweden, einem ehemaligen französischen General, in die Nordarmee. Die Völkerschlacht bei Leipzig besiegelte das Schicksal Napoleons und Wintzingerode wurde russischer General der Kavallerie. Während der Verfolgung der fliehenden französischen Truppen gelangte Ferdinand über Heiligenstadt, Göttingen, Braunschweig, Bremen und Holland nach Frankreich. Hier blieb er Napoleon auf den Versen. Während selbiger bei St. Dizier ins Leere stieß, er glaubte dem Hauptheer gegenüber zu stehen, aber Wintzingerode hatte sich mit seiner Kavallerie bereits wiede entfernt, nahm Blücher Paris ein. In Paris empfing Wintzingerode von Zar Alexander den Ehrendegen mit Diamanten.
Noch einmal, am 23. Juni 1815 zog Wintzingerode in Paris ein. Dieses Mal paradierte die zweite russische Kürrasierdivision anläßlich des Sieges über napoleon in der Schlacht bei Waterloo.
Nach dem Rückzug der russischen Truppen blieb Ferdinand in Wiesbaden, um seine angegriffene Gesundheit wiederherzustellen. Am 17. Juni 1818 starb er während eines Spazierganges am Schlag.

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