Georg Ernst Levin Reichsgraf von Wintzingerode

Georg Ernst Levin v. W. ist wohl neben Ferdinand v. W. einer der für das Selbstverständnis der von Wintzingerode wichtigste historische Persönlichkeit. Geboren 1752, wurde er schon als Kind Alleinbesitzer der Stammburg und erbte später neben den Dörfern Tastungen, Esplingerode und Immingerode zahlreiche kleinere Rittergüter, Vorwerke und andere Einkünfte. 1768 trat er in den Dienst des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel. Er bekleidete die Stellen eines Kammerherrn und Rittmeisters, später wurde er Oberhofmeister der Landgräfin. 1785 ging er, nach dem Tod des Landgrafen, an den Hof der verwitweten Landgräfin Philipine von Hessen, wo er Hofmarschall wurde. 1792 weilte Philipine längere Zeit auf Schloß Bodenstein, da ihre Residenz von französischen Revolutionstruppen eingenommen war. Auf Betreiben der Landgräfin wurde Georg Ernst Levin am 21. August 1794 in den Reichsgrafenstand erhoben. Damit stand einer Heirat des soeben verwitweten Georg mit der Landgräfin nichts mehr im Wege. Am 9. August 1796 fand die Hochzeit statt. Philipine war eine Nichte Friedrich des Großen und Enkelin Friedrich Wilhelm I. Sie stand in dem Ruf, eine der schönsten Prinzessinen Deutschlands zu sein und war für ihre Warmherzigkeit und Frömmigkeit bekannt. Nebenbei war ihre gelegentlich verletzende Offenheit bekannt und gefürchtet. Mit der Heirat trat Georg Ernst Levin in engen verwandschaftliche Beziehungen zum preußischen Königshaus und zu fast allen anderen deutschen und europäischen Fürsten. Leider wärte die Ehe nicht lange, denn bereits am 1. Mai 1800 verstarb Philipine, gerade 55 Jahre alt. sie hinterließ ein großes Vermögen, ein Palais in Berlin und eine Unzahl bedeutender Kunstschätze. Durch die Ausstattung des Bodenstein mit diesen Kunstwerken änderte sich der Charakter des vorher eher ländlichen Bodensteins nachhaltig.. 1802 folgte Georg Ernst Levin der Bitte Herzog Friedrich II. von Württenberg, einem Neffen seiner verstorbenen Frau, und wurde Premierminister, Leiter der Auswärtigen Angelegenheiten und Präsident des Geheimen Rates vom Herzogtum Württenberg. Obwohl er nie vorher auf diplomatischen, politischen und juristischen Gebiet tätig war, versah diese Posten mit erstaunlicher Umsicht und Erfolg, so daß Württenberg aus den stürmischen Zeiten der Koalitionskriege und dem Preßburger Frieden gestärkt und als Königreich hervorging.

Durch diese Erfolge hatte sich Georg Ernst Levin zahlreiche Gegner unter den altwürttembergischen Kreisen gemacht. Eine Intrige des Grafen von Taube brachte schließlich den Bruch mit dem König. Georg Ernst Levin zog sich tief verbittert nach Bodenstein zurück. Das Eichsfeld war inzwischen durch die von Napoleon durchgesetzte Säkularisation zu Preußen gekommen. Damit ging auch die Reichsunmittelbarkeit und das Episkopalrecht verloren. 1806 mußte Georg Ernst Levin auf persönliche Einladung Napoleons am Fürstentag in Erfurt teilnehmen. Nachdem er mehrere Angebote von Jerome Bonaparte für Ministerposten im Königreich Westfalen ablehnte, konnte er sich dem persönlichen Druck Napoleons nicht mehr widerstehn und wurde westfälischer Gesandter in Frankreich. Die ungeliebte Tätigkeit in Paris wurde ihm nur durch die Anwesenheit seines Sohnes in Paris erträglich. Mit dem Sieg der alliierten Truppen vor Paris konnte Georg Ernst Levin in die Heimat zurückehren.

1814 trat er nocheinmal in die Dienste des württembergischen Königs; sein Sohn hatte eine Versöhnung arrangiert. Als Staatsminister des Äußeren nahm er am Wiener Kongreß teil, auf dem die europäische Aristokratie ihre letzte und glanzvollste Inszenierung ihrer Macht veranstaltete. Ergebnis des Wiener Kongresses war u.a. der Deutsche Bund. 1816 starb der König und Georg Ernst Levin trat von seinem Ministeramt zurück. Er war noch einige Jahre als Oberhofmeister und württembergischer Gesandter tätig, bevor er sich zur Ruhe setzte.
Georg Ernst Levin pflegte eine ausgiebige und teilweise verschwenderische Gastfreundschaft, was auf Bodenstein einen illustren Hof entstehen ließ.
Georg Ernst Levin starb am 24. Oktober 1834 in Stuttgart an einem Lungenschlag.
 
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