Barthold v. W. gehört wohl zu den umstrittendsten, aber auch faszinierendsten Charakteren der Wintzingeröder und Bodensteiner Geschichte. Beim Versuch, sich seinem Leben zu nähern, muß man die Gegebenheiten und Moralvorstellungen des Mittelalters zugrunde legen und darf nicht mit heutigen Maßstäben über Bartholds Taten richten.
Bartholdkam 1505 als zweiter Sohn Heinrich und Anna von Wintzingerode zur Welt. Umgeben von einer rauhen und gewalttätigen Welt, zu der auch der Bruderkampf innerhalb der Burg Bodenstein zwischen Heinrich und seinem Stiefbruder 1519 gehörte, wuchs Barthold zum Ritter heran. 1520 starb sein Vater und seine Mutter Anna übernahm unter Mithilfe ihres Bruders Hans von Oldershausen die Führung der Burg und der Erziehung Bartholds. Sein Bruder Hans war schon zu Lebzeiten das Vaters an den Hof des Herzog Erich des Älteren von Braunschweig gekommen, wo er auch aus Rache für den Tod seines Vaters gegen des Bischof von Hildesheim stritt. Barthold hatte bei seiner Mutter lesen und schreiben gelernt und die duderstädter Stadtschule besucht, wo er auch in lateinisch unterwiesen wurde. 1520 kam er an den Hof Herzog Philip dem Älteren von Braunschweig auf das Schloß Grubenhagen. Hier erlernte er das Kriegshandwerk, aber auch die Errichtung wirtschaftlicher Gebäude. Es soll schon seit 1520 auf Bodenstein "lutherisch" gepredigt worden sein. 1521 weilte Barthold wahrscheinlich mit seinem Herren zusammen auf dem Reichstag zu Worms, auf dem sich Luther für seine Lehre verantworten mußte. Durch eine sehr liberale Politik des Bischofs Albrecht von Mainz hatte sich die Reformation unmerklich und kampflos im Eichsfeld eingebürgert. 1525 kam es unter Thomas Müntzer und Heinrich Pfeiffer auch im Eichsfeld zu Erhebungen, in deren Verlauf die zum Teil Wintzingerode gehörenden Burg Scharfenstein geplündert wurde. In der Herrschaft Bodenstein kam es zu keinen Aufständen. Unter der Leitung von Pfeiffer, gegen den Willen Müntzers, zogen die aufständischen Klosterbauern und Scharfensteiner Untertanen gegen das Eichsfeld. Der Adel hatte sich auf dem Rusteberg versammelt, worauf die Bauern eine Kapitulation annahmen und mit den Aufständischen verhandelt wurde..Sie stellten ein Kontingent von ca. 400 Mann, unter ihnen auch Edelleute und Fürsten, sowie Reisige des Grafen Hohnstein, das zu den Truppen Müntzers bei Ebeleben stieß. Im Mai 1525 zog das Bauernheer durch das Eichsfeld. Am 5. Mai geht der Bodenstein in Flammen auf. Münzer schonte im allgemeine zwar die Bauern, da sich aber die Dörfer des Gerichts Bodenstein nicht am Aufstand beteiligen wollten, gab er sie der Zerstörungswut seiner Männer preis. Am 15. Mai unterlag das Bauernheer bei Frankenhausen den Truppen der Fürsten. Barthold nahm an diesem Feldzug auch teil und sah die Hinrichtung Pfeiffers zusammen mit 25 anderen Gefangenen. Bodenstein hatte unter den Zerstörungen, die der Bauernkrieg brachte, am schwersten gelitten. Mühlhausen wurde zu Schadensersatz verpflichtet, zahlte aber nicht.
In den folgenden Jahren baute Bartholds Mutter Anna Abwesenheit der Söhne den Bodenstein und die anderen Güter wieder auf. Nebenher erreichte sie, daß der Besitz am Bodenstein vollständig ihren Besitz gelangte. 1535 übernahm Hans von Wintzingerode die Verwaltung der Burg.
1833 rüstet Barthold sich und einige Reisige aus und begab sich in die Dienste des Landgraf Philip von Hessen. 1834 zog er mit dem Landgrafen in den Krieg gegen das Herzogtum Württemberg. 1836 beteiligte sich Barthold am Frankreichfeldzug Kaiser Karl V. 1538 besiegelte ein Waffenstillstand die Niederlage der kaiserlichen Truppen und Barthold kehrte nach Hause zurück. Bartholds Bruder war als Reiterführer unter dem kaiserlichen Oberst Grafen Karl von Geldern und unter Erzbischof Christoph von Bremen zu reicher Kriegsbeute und Pfandlehn gekommen.
1538 starb Anna v. W. und ihre Söhne kehrten nach Bodenstein zurück, um sich um ihre Erbe zu kümmern.
1541 kam es zum Krieg zwischen Sachsen und Hessen mit dem Herzog von Wolfenbüttel.

Obwohl Barthold in diesen Krieg nicht verwickelt war, kostete es alle Mühe seine Untertanen vor den Truppendurchzügen und den Anfeindungen der Nachbarn zu schützen. Seit 1542 stand er im Wartesold des Kaisers, mit dem er im selben Jahr wiederum gegen Frankreich zog. 1543 starb Georg v. W. und Apollonia rief ihren Bruder Barthold zurück, da kein männlicher Wintzingerode mehr im Eichsfeld war, um die Rechte der Familie zu wahren. Im Sommer 1545 zog der ältere Bruder Hans erneut in den Krieg und Barthold beeilte sich, mit seinen Nachbarn Frieden zu finden, um ihm zu folgen. Barthold schloß sich dann den Truppen seines Gönners von Grubenhagen an und zog nach Kassel. Auf diese Weise kam es, daß er gegen seine besten Feunde und wahrscheinlich sogar seinen eigenen Bruder kämpfte, was aber zu damaliger als Normalität galt. Das Jahr 1546 brachte den seit langen drohenden Religionskrieg zwischen dem Kaiser und den Kurfürsten von Sachsen und den Landgrafen von Hessen. Wiederum kämpften Barthold und Hans in entgegengesetzten Lagern. Die Seite Bartholds verlor und Barthold kam 1546 mit den Kurfürstlichen Reitern in Obersachsen an.

Nachdem Bartholds Gefährten das gesamte Kaiserliche Heer gefangen nehmen konnte, mußten sie am Ende doch vor dem plötzlich auftauchenden Kaiser Karl zurückziehen. Berthold flüchtet auf die Festung Wittenberg, welche sich später dem Kaiser ergab, um die Hinrichtung des sächsischen Kurfürsten, der in kaiserliche Gefangenschaft geraten war, zu verhindern. Außer Magdeburg hatten sich im Juni alle protestantischen Truppen ergeben. Herzog Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel plünderte auf seinem Weg durch das Eichsfeld die Wintzingerödschen Güter, weil diese sich auf seiten der Protestanten am Krieg beteiligt hatten, woraus eine spätere Feindschaft resultierte. 1547 starb Hans v. W., auf Seiten der Katholiken kämpfend in Hameln. Im gleichen Jahr kehrt Barthold nach Bodenstein zurück. 1547 und '49 erhielt er von Kurfürst Sebastian von Mainz den Lehnsbrief, später folgten noch Lehn der Grafen von Gleichen-Tonna, Herzog Ernst von Grubenhagen, der Grafen von Schwarzburg und 1556 schließlich durch den Grafen von Hohnstein das Lehn auf Bodenstein. Die nächsten Jahre sind gekennzeichnet von ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen streitsüchtigen und neidischen Nachbarn. 1550 reitet Barthold als Rittmeister unter Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach nach Franken, kehrte aber durch eine schnellen Friedensschluß nach Bodenstein zurück und nahm einige Anführer, die seine Abwesenheit sofort ausnutzen wollten, fest und warf sie in den Kerker von Bodenstein. Den letzten Gefangenen ließ er erst 1554 wieder frei. Es galt das Gesetz der Stärke und Barthold verstand sich darauf, während die Gerichte der damaligen Zeit über Jahre hinweg keine Entscheidung bringen konnten.
1551 hatte Barthold die Katharina von Rautenberg geheiratet, da seine Schwester Apollonia ebenfalls geheiratet hatte und die Burg eine neue Burgherrin brauchte. 1552 nahm er am zweiten Krieg der protestantischen Fürsten gegen den Kaiser in den Truppen Albrecht Alcibiades teil.Es muß der grausamste Feldzug gewesen sein, an dem Barthold teilnahm und der nicht ohne Einfluß auf sein späteres Leben blieb. Barthold nahm aber bald seinen Abschied, er wollte nicht an den Plünderungen der Länder seiner Freunde teilnehmen. Albrecht mußte bald nach Frankreich flüchten.
Schon vor 1554 setzte Barthold lutherische Pfarrer ein, 1570 stellte er den Pfarrer Bindseil ein. Es galt, daß alle Untertanen den Glauben ihres Herren annehmen mußten, Toleranz kannten auch die protestantischen Herren nicht. In den Jahren zwischen 1556 und 1571 kam es zu schweren Streitereien zwischen Barthold und dem evangelischen Pastor Müller, in dessen Verlauf sich der Pfarrer per Eid erklären mußte unter Androhung der Todesstrafe nicht mehr das Bodensteiner Gebiet zu betreten. 1572 ließ sich der Pfarrer in Tastungen blicken und wurde in den Turm geworfen. Graf Volkmar von Hohnstein ließ ihn heimlich befreien, aber Bartholds Reiter holten den Flüchtigen ein und erschossen ihn. Auch später wehrte sich Barthold gegen ihm zugewiesene Pfarrer. 1561 wurde Barthold Bediensteter des Herzog Ernst von Grubenhagen. Dieser lag mit dem Erzbischof und Kurfürsten von Mainz im Streit. Mainz war, neben dem Gebietsstreit mit den Hohnsteinern wem das Eichsfeld nun gehöre, über den Umstand der letzten protestantischen Enklave im Eichsfeld nicht besonders glücklich, sah aber noch keine Weg direkt gegen Barthold vorzugehen. Deshalb wiegelten es seine Nachbarn gegen ihn auf. Die Streitereien, die teilweise kriegerische Zustände annahmen und Tote forderten, steigerten sich in den Jahren bis 1574. An dieser Fehde gegen Barthold beteiligte sich auch der Graf von Hohnstein, der inzwischen verarmt seinen reichen Lehnsmann loswerden wollte. Nebenbei mußte sich Barthold noch seiner beiden Vettern Hans und Bertram v. W. erwehren. 1559 kam es sogar zu einem Mordanschlag der beiden gegen ihn, an dem sich auch andere Feinde Bartholds wie die Westernhagen beteiligten. Barthold entging dem Anschlag und verklagte die Übeltäter wegen Landfriedensbruch. Trotzdem suchte Barthold immer die Interessen der gesamten Familie zu wahren und zu schützen. Unter dem familieninternen Streit hatten natürlich besonders die Bevölkerung der Dörfer zu leiden, die von beiden Seiten drangsaliert wurden. Eine unglückliche Geschichte ist Bartholds angebliche Verstrickung in den Gothaischen Krieg, den der enteignete Wilhelm von Grumbach 1566 zur Wiedererlangung seiner Güter gegen den Bischof von Mainz führte. Der Grumbacher hatte ihn ohne sein Wissen als Rittmeister bestallt, was Barthold in einigen Mißkredit bei den katholischen Fürsten brachte. Daß Barthold trotzdem Treue und Nationalstolz besaß, bezeugt seine Weigerung 1559 am Krieg des französischen Königs gegen die Calvinisten auf deutschen Boden teilzunehmen. Er hatte zwar eine Stellung als Rittmeister angenommen, weigerte aber sich an den Kampfhandlungen zu beteiligen und nahm seinen Abschied. Trotz seines rauhen Wesens war Barthold bei den evangelischen Adligen und Fürsten sehr angesehen und genoß deren Schutz. Er war einer der letzten Vertreter des adligen Rittertum und gegen die absolutistischen Bestrebungen der Landesfürsten. Die letzten Lebensjahre Bartholds sind gekennzeichnet von mit teilweise blinden Haß geführten Kampf gegen seine Vettern und der Grafen von Hohnstein. Damit trieb er sie in die Arme seines Erzfeindes den Erzbischof und Kurfürsten von Mainz. Graf Volkmar Wolf von Hohnstein rief den Kurfürsten Daniel um Hilfe an und überließ ihm 1573 die Lehnsherrschaft über Bodenstein. Damit sollte das Unheil seinen Lauf nehmen.

Am 3. Februar 1574 hatte Barthold den bekannten Unruhestifter Arnold Geilhaus, der im Auftrag seiner Vettern in einer Mühle randalierte hatte, erschossen. Am 7. Juni des Jahres leistete Graf Volkmar Wolf zu Hohnstein in Heiligenstadt gegenüber Kurfürst Daniel den Lehnseid. Damit hatte dieser, zum Preis des Lehns auf den Besitz Bodenstein, seine Freiheit und Reichsunmittelbarkeit aufgegeben. Die Scharfensteiner Linie der von Wintzingerode, Hans und Bertram v. W., erhielten die Burg Bodenstein.
Alle Prozeßgegner Bartholds, auch die evangelischen, wurden Kurfürst Daniel zu Dank verpflichtet. Bereits vorher hatte Daniel die Rekatholisierung des Eichsfeldes eingeleitet. Blieb nur noch Barthold zu beseitigen. Dazu hatte Daniel ca. 2000 Bewaffnete und 300 Reiter bei Heiligenstadt zusammengezogen. In der Nacht vom 29. zum 30. Juni 1574 zogen sie vor die Burg Bodenstein.. Wahrscheinlich durch Verrat wurde Barthold gefangen genommen und nach Heiligenstadt gebracht. Von hier ließ ihn Kurfürst Daniel aus Angst vor einem Adelsaufstand und der Einmischung der protestantischen Fürsten in die stärkste Mainzsche Festung, Steinheim am Main, bringen, wo er in schwere Ketten gelegt wurde. Als Vorwand für ein Gerichtsverfahren wurde der Totschlag an Geilhaus genutzt. Zu diesem Zweck wurde die Klage des Grafen von Hohnstein und der Brüder Geilhaus an Kurmainz weitergegeben. Der Erzbischof erließ Anklage wegen Mordes. Unter stärkster Bewachung und strengster Geheimhaltung wurde Barthold nach Mainz überführt. Die Sicherheitsmaßnahmen während der Verhandlung waren enorm, hatte doch der Erzbischof große Angst vor einem Adelsaufstand und Befreiungsversuchen seitens des Adels. Der Prozeß selber lief auf einen Justizmord hin, der selbst Bartholds Feinden nach damaligen Rechtsverständnis ausgeschlossen schien. Trotz der Intervention fast aller deutschen, auch katholischen Fürsten blieb Barthold über die gesamte Prozeßdauer in Haft, seine Entlastungszeugen wurden abgelehnt, alle positiven Zeugnisse und Gnadengesuche wurden abgelehnt. Am 5. Oktober wurde der Prozeß gegen Barthold eröffnet, am 18. November die Klageschrift verlesen. Am 22. September wird das Urteil über Barthold von Wintzingerode verkündet. Kurz darauf wurde er auf dem Tiermarkt von Mainz mit dem Schwert enthauptet.
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