1.2 Die Winzo`s gründen einen neuen Ort und werden ‚Bürger’ 1204 Januar 6.

Das Kloster Lippoldsburg verkauft dem Kloster Pöhlde den Zehnten in der Pfarrei Teistungenburg und in den Dörfern Ferna, Jckendorf, Teistungen und Wintzingerode.

Gedruckt: Wolf, Gesch. u. Beschreibung der Stadt Duderstadt, UB. Nr. 1 aus Or.

Regest:      Dobenecker II Nr. 1259

Regest:      Dobenecker II Nr. 1259 In nomine sancte et individue trinitatis. Omnibus, ad quos presens scriptum pervenerit, in perpetuum. Sicut iustum est, ut ea, que perperam et improbe fiunt, in irrita revocentur, ita rationi consentaneum est, ut, que iuste et canonice ad profectus ecclesarium conficiuntur, debitum robur accipiant.

Sane noverit universitas vestra, qoud prepositus cum universo conventu de Luippoldesberch vendidit omne ius et omnes proventus, quos habuit in decima, que est in parrochia Destingeburc et in villis Verneda, Icgindorp, Destinge, Werovendingeroth, et nominatim ius, quod vulgo dicitur decime, cum omnibus suis appendiciis cenobio in Polithen. Et ne hec venditio, que pro utilitate utriusque ecclesie facta est, temere evacuetur et ad nihilum redigatur, auctoritate (Mog)untine ecclesie et nostra statuimus et sub anathemate interdicimus, ne quis eam infringere presumat, sigilli quoque nostri impressione hanc presentem (cartam) communiri precepimus.

Huius rei testes sunt : abbas de Northeim, abbas de Gerenrothe, prepositus de Winethe, Eckehardus sacerdos de Duderstad, Hartlev archipresbiter, comes Heithenric de Lutterberc, Hermannus de Rothe, Thideric vicedominus de Regenderoth, Thideric de Othra, Johannes de Gevere, Hugo de Marchia et alii quamplures. Acta sunt hec anno dominice ncarnationis millesimo ducentesimo quarto, VIII. idus ianuarii. Der lateinische Originaltext in einer Abschrift aus dem Buch “Urkundenbuch des Eichsfeldes” Teil I, Magdeburg 1933, S. 97 von Aloys Schmidt {mospagebreak}

Hier die Übersetzung aus dem lateinischen Originaltext,

Hier die Übersetzung aus dem lateinischen Originaltext, von Frau A. Jünemann, Gymnasiallehrerin am staatlichen Gymnasium Worbis

... Das Kloster Lippoldsberg hat das Recht am Zehnten, gewöhnlich decime genannt, und seinen Erträgen in der Pfarrei Destingeburc (Teistungenburg) und in den Dörfern Verneda (Ferna), Icgindorp (Ickendorf), Destinge (Teistungen), Werovendigeroth (Wintzingerode) dem Kloster Pöhlde verkauft. Der zu beiderseitigem Vorteil erfolgte Verkauf kann nicht ohne Grund rückgängig gemacht bzw. für nichtig erklärt werden.

Mit dem Einverständnis des Mainzer Erzstifts wird unter Kirchenbann gestellt, wer sich dem widersetzt. Durch aufdrücken unseres Siegels haben wir das hier Geschriebene bekräftigen lassen. {mospagebreak}

Zeugen hiervon sind:

          der Abt von Northeim

- der Abt von Gerenrothe (Gerode)

- der Probst von Winethe (Weende)

- der Priester Eckehardus von Duderstadt

- Erzpriester Hartlev (Hartlieb)

- Graf Heithenric (Heidenreich) von Lutterberg (Lauterberg)

- Hermann von Rothe (Rode)

- Vitzum Theric (Dietrich) von Rengenderoth (Rengelrode)

- Thideric cvon Othra (Uder)

- Johannes von Gevere (Gebra)

- Hugo von der Mark und weitere Anwesende.

Geschehen im Jahre des Herrn 1204, am 6. Januar. {mospagebreak}

Was haben sie gemacht? Nichts weiter als das, was die Bauersleut in der damaligen Zeit immer gemacht haben. Wenn eine Gegend nicht mehr genügend Erträge brachte, wenn es „unwirtlich“ war, dann wurde neues Land gerodet und dort weiter gewirtschaftet, wo bessere Bedingungen waren, die Erträge reichhaltiger ausfielen. Wintzingerode entstand. 1204 wird es erstmals als „Werovendingeroth“ in dem Oben aufgeführten Schreiben erwähnt. Natürlich waren sie nach wie vor Bauern, rodeten und bestellten sie doch das Land, leisteten sie Frondienste und bauten „ihr Dorf“ auf. Und doch waren sie nun Bürger. Der Begriff „Bürger“ leitet sich aus der Tatsache ab, dass Menschen, die im Umfeld einer  Burg wohnten und arbeiteten, als solche bezeichnet wurden. Sie waren das „Burgvolk“. Es ist aber ebenso möglich, dass der Bodenstein zu Anfang des 10. Jahrhunderts von König Heinrich I. (dem Vogler) als Reichsburg zum Schutze gegen die einfallenden Ungarn ausgebaut wurde. Und eben diese „Burg“ brauchte auch „Volk“, die sie erbauten. Das bedeutete nichts anderes, als das Leute hier angesiedelt werden mussten, die durch Frondienste – weil sie ja Halbfreie und Leibeigene waren – die Burg errichteten. Aber auch freie Bauern waren zu Diensten verpflichtet. Was lag also näher, als die Leute von Witzungen hierher zu holen, „wohnten“ sie doch gleich um die Ecke. Auch das wäre eine der Möglichkeiten der eigentlichen Entstehung und Besiedelung unseres Ortes.

Leider kann eine urkundliche Ersterwähnung erst für 1204 nachgewiesen werden, was wohl auch daran liegen mag, dass durch viele Kriegswirren so manche Dokumente abhanden gekommen sind bzw. vernichtet wurden. Die Bewohner  von Wintzingerode mussten, so verlangt es aus heutiger Sicht eigentlich die Logik, freie Herren (Bauern) gewesen sein. Sie waren  keine Halbfreien und erst recht keine Leibeigenen gewesen. Sie hatten einen Herren und waren nur ihm hörig (Untertan), nur dem König, oder einem entsprechenden Reichsfürsten der unmittelbar dem Kaiser unterstand. Er – der von Wintzingerode, der Winzo – war mit hoher Wahrscheinlichkeit der ‚Vorstand’ einer Familie – Sippe – zu der noch ‚Hörige’, ja auch Leibeigene gehörten. Fakt ist jedoch, dass die Freiherren von Wintzingerode, später Grafen, zu den ältesten Adelsgeschlechtern des Eichsfeldes gehörten, und mit dem Dorf Wintzingerode belehnt wurden.

 

 

 

 

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