Seit Menschengedenken werden von den Stämmen, den Sippen – später Familien – Zeichen verwendet, die sie, die Familien unterscheiden. Die für jedermann bereits von weitem verständlich anzeigen, wer derjenige ist, mit dem sie es zu tun haben. Aus den uralten Hausmarken, Runen oder einfachsten Bildzeichen sind beim Bürgertum die Meisterzeichen, beim Adel die Wappen entstanden.

Während die Bauern noch Jahrhunderte lang ihre unverzierten Hausmarken beibehielten. Die Verwendung der Hausmarken und sogar ihr unabänderliches Haften am Grundbesitz war weit älter, als die der Wappen. Der Ursprung des Wappenwesens ist dagegen ein bis zwei Jahrhunderte jünger, als die der Entstehung der Familiennamen.

Das bedeutet der Reihenfolge nach: erst waren es einfache Bildzeichen – Runen; aus denen die ‚Hausmarken’ entstanden; dann folgte die Entstehung der Familiennamen und erst danach entwickelten sich die Wappen.

                                                          
1.4 Das Wappen derer von Wintzingerode

1822 hatte unser Ort, soweit dies noch herauszufinden war, erstmals einen Gemeindevorsteher – heute sagen wir Bürgermeister – es war Gottlieb Weidemann.

Dem Gemeindevorsteher war auch ein ‚Dienstsiegel’ zueigen. Dieses Siegel zeigt die ‚Wasserträgerin’. Das Wappen, sofern es eines gegeben hat, kann demzufolge nicht anders ausgesehen haben.

Bis 1953 hatte die Gemeinde Wintzingerode dieses eigene ‚Dienstsiegel’.

Wappen derer von Wintzingerode

Quelle: „Wappen und Siegel der Städte und Gemeinden des Landkreises Eichsfeld“, S. 127, Herausgeber: Kultur und Sportamt des Landkreises Eichsfeld 1997

In der Zeit von 1953 bis 1997 besaß Wintzingerode kein eigenes Siegel und Wappen.

Zu DDR-Zeiten hatten nur die Städte eigene Wappen.

Das Wappen der Gemeinde Wintzingerode, so wie es 1997 vom Landesverwaltungsamt genehmigt wurde.

                                                           wappen

Das Wappen der Gemeinde Wintzingerode, so wie es heute veröffentlich wird, wurde in der Gemeinderatssitzung von 29. Februar 1996 einstimmig beschlossen.

Das Wappen wurde von der Gemeinde selbst entworfen, wobei man sich auf die Kenntnisse und Erfahrungen des Herrn Wilko Graf von Wintzingerode stützte, der wesentliche Hinweise einbrachte.

Nach einem relativ langwierigen Verwaltungsakt, dem eingehende Prüfungen und Begutachtungen vorausgingen und zugrunde lagen, wurde am 18.02.1997 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt dem Beschluss und Antrag der Gemeinde zugestimmt.

Das Wappen ist gespalten und rechts halbgeteilt.

Links zeigt es einen Wellenbalken auf grünen Grund. Der Wellenbalken soll die „Katharine“, den Bach der den Ort durchfließt, verdeutlichen.

Die rechte Seite ist abermals in sich geteilt und weist in erster Linie auf die ehemaligen Herrschaftsverhältnisse hin. Die „Klevenspitze“, die „Hellebardenspitze“ – auch fälschlicherweise „Feuerhaken“ genannt, auf silbernen Grund im oberen Teil steht für das Geschlecht derer von Wintzingerode, die die Geschichte des Ortes maßgeblich mitprägten. Für das Geschlecht derer von Bodenstein, die nachweisbar im 13. Jahrhundert in Wintzingerode begütert waren und der Burg ihren Namen gaben, wurde ein gespaltenes Wappen mit der schwarz-silbernen Teilung und einem silbernen Löwen in Rot aufgenommen.

Die „Klevenspitze“ ist eine seit Alters her bekannte Waffe – eine hellbardenartige Lanze. Die Waffenkunde weißt nach, dass bereits bei den Altindern die dornstachelige Lanze mit einseitigem Widerhaken bekannt war. So auch bei den Griechen, den Römern und nicht zuletzt den Germanen, die sie im Mittelalter als verheerende Waffe gebrauchten.

Damit soll auch zugleich durch das Wappen die Wehrhaftigkeit derer von Wintzingerode deutlich gemacht werden. Aber mehr noch.

In der Heraldik – der Wappenkunde – heißt es auch, so Wilhelm Clothar v. Wintzingerode: „... Zwei gute Farben zum Feld und Bild gehören; je mehr ein Schild Farben hat, desto minder wird das Wappen geachtet, je weniger Bilder darin stehen, desto adliger ist es.“

Das Wappen derer von Wintzingerode war ein silberner Schild (ein Silbernes Feld) mit einer roten Klevenspitze. Es hat also „nur“ zwei Farben, Rot und Silber und nur ein Bild – die Klevenspitze. Aus dieser Darstellung wird deutlich, dass der Besitzer dieses Wappens nicht von niederem Adel gewesen sein kann und außer dem Kaiser keinen anderen Herren über sich hatte. Nicht nur die „Reichsunmittelbarkeit“ lässt sich darauf ableiten, sondern auch die Tatsachen, dass:

-          die Ausübung der „hohen Gerichtsbarkeit“ mit dem Blutbann

-          die Lehnsherrschaft über andere Adelsfamilien

-          die unmittelbare Abgabe der Steuern an die Reichskriegskasse und nicht an das

Kurfürstentum Mainz ausgeübt wurden.

Das alles zeugt vom Stand derer von Wintzingerode, später von Wintzingerode/Bodenstein.

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