1.5 Ein hoher Stand des Herren ist noch keine Garantie für ein gutes Leben der  einfachen Leute

Die Wintzingeröder, so wird immer wieder gesagt, hatten eine „Gute Herrschaft“. Mag dem so gewesen sein, dass sich die „Herren“ mehr als andere um das Wohl und Wehe ihrer „Untertanen“ gekümmert haben. Wir wollen dies hier auch nicht in Abrede stellen. Und dennoch gibt es ausreichend Zeugnisse, dass dem nicht immer so war. Die „Ackerbauern“ (freie Bauern mit Besitz an Grund und Boden), die „Halbfreien“ (sie hatten Hauseigentum) und die „Unfreien“ (Leibeigene, sie gehörtem dem Herren wie sein Vieh, das er im Stall hatte) hatten so manche schwer Zeit zu überstehen.

Not und Elend, Tod und Verwüstung, Mord und Brandschatzen und der Kampf um das täglich Brot waren auch hier in Wintzingerode allgegenwärtig.

Drei Beispiele aus dem ganzen Zeitgeschehen sollen dies deutlich und unvergessen machen.

1525 die aufständischen Bauern des Thomas Müntzer und des Heinrich Pfeiffer, Mönch aus dem Kloster Reifenstein, greifen den „Bodenstein“ an und hinterlassen auf der Burg schwere Verwüstungen.

Heinrich Pfeiffer hatte 1523 seinen ersten öffentlichen Auftritt in Mühlhausen. Er hat vor der Mühlhäuser „Marienkirche“ seine radikalen – lutherischen Predigten gehalten, welche auf fruchtbaren Boden fielen.{mospagebreak}

1618 bis 1648 wütete auch im Eichsfeld der 30-jährige Krieg.

Mai 1622 – Herzog Christian von Braunschweig fällt plündernd ins Eichsfeld ein. Die schutzlose evangelische Enklave wird insbesondere nach 1631 bis Kriegsende Schauplatz heftigster kriegerischer Auseinandersetzungen.

17 Jahre lang war hier ein Kriegsschauplatz und Wintzingerode liegt an einer nicht zu umgehenden und nicht zu übersehenden Heerstrasse.

Dazu kam, dass der 30-jährige Krieg ein „Glaubenskrieg“ war. In Wintzingerode hatte sich die Reformation durchgesetzt.

Die Lasten des Krieges trugen die Bewohner der Dörfer des Wintzingeröder Herrschaftsbereiches.

(Quelle: „Geschichte in Daten – Thüringen“, Seite 115, herausgegeben vom „Fourier“ Verlag){mospagebreak}

24. August 1580  Nach dem Bauernkrieg von 1525 waren die Dörfer der Herrschaft Wintzingerode  kaum bewohnbar. Es fehlte an notwendigem Baumaterial und die Abgaben an die Herrschaft waren auch nicht weniger gewordern. Nach zähen Verhandlungen, die am 09.10.1579 gescheitert waren, wurde an obigem Datum zu Adelsborn zwischen den 5 Dörfern und Junker Hans von Wintzingerode der folgende Vergleich geschlossen.

Er besagt im einzelnen:

1.       Von jeder Erbhufe  (30 Morgen ) Landes entrichten die Einwohner der 5 Ortschaften je 2 Malter Roggen (243 kg) , 1 Malter Gerste (108 kg), 3 Malter Hafer (225 kg). Von  einer halbe Hufe jeweils die Hälfte (d.h. 1 Malter Roggen, 1/2 Malter Gerste 1 1/2  Malter Hafer), alles in Duderstädter Maß.

Dafür verzichtet der Junker  v. Wintzingerode künftig auf den Zehnten.

2.       Zusätzlich geben die Tastunger, die Land in Ickendorf besitzen (der Wüstung) , wovon der Zehnte denen von Westernhagen zusteht, von 1 Hufe Landes 1 Malter Roggen, 1 Malter Hafer.

3.       Die Untertanen aller 5 Dörfer geben weiterhin auf ihre Häuser als Erbzins Hühner,  Hähne, Geld und Eier.

4.       Die Untertanen sind schuldig : Bestellung der Ländereien, Aus- und Einfuhr der Frucht, Ausfuhr des Mistes, Pflege des Waldes. Im einzelnen : Jeder Ackermann hat von einer Erbhufe Landes  3 Acker Winter- und  3 Acker Sommerfrucht zu bearbeiten, d.h. zu pflügen und zu eggen. Daneben muß er den Wald pflegen. Falls erforderlich  ist er auch verpflichtet, im Herbst das Gerstenland zu felgen. Weiterhin ist er auch verpflichtet die Frucht einzubinden und einzufahren. Außerdem : 1 Landfuhr über 5 oder 6 Meilen zu leisten. Die Dörfer verpflichten sich, für die Dienste gesunde Personen zu stellen, die um 5 Uhr morgens zum Dienst erscheinen und um 6 Uhr abends wieder verlassen. Wenn die Untertanen rechtzeitig zum Dienst erscheinen und diesen fleißig verrichten, gewährt ihnen der Junker das Frühstück und das Mittagsbrot.

Jeder Dorfschaft wird vom Junker ein Platz Holz zugewiesen, dieser von der jeweiligen Ortschaft verwaltet. Aus diesem Holzplatz beziehen die Einwohner des jeweiligen Dorfes ihr benötigtes Brenn- und Bauholz, um ihn danach wieder aufzuforsten.

Sollte dennoch irgendwann Holzmangel herrschen, so soll sich das gewisse Dorf an den Junker wenden, der die Sache regelt.

Orginal der Urkunde im Landeshauptarchiv Magdeburg{mospagebreak}

17. September 1731, die Bauern der 5 Dörfer der Herrschaft Wintzingerode/Bodenstein ziehen mit einer Abordnung vor das „Reichsrevisionsgericht“ nach Mainz.

Nach langem Streit und zähen Verhandlungen müssen die Herren von Wintzingerode einem Vergleich zustimmen, in dem eindeutig geregelt ist, welche Vergütung in Zukunft den Bauern, Halbfreien und Unfreien für ihre Leistungen zu zahlen ist.

Der Vergleich umfasst insgesamt 15 Artikel zuzüglich „Allgemeiner Festlegungen“ und ist auch ein Ausdruck des unermüdlichen Ringens der Bewohner um ein besseres Leben.

24. März 1848 Teile der Bevölkerung aus den Dörfern Wintzingerode, Kirchohmfeld und Kaltohmfeld fordern in einer Petition an den Reichsgrafen , ... die entschädigungslose Aufhebung aller der Familie Wintzingerode seit 1803 noch verbliebenen Hoheitsrechte und Einnahmen....

Graf Heinrich Levin unterschrieb unter massivem Druck eine Verzichtserklärung und zog sich nach Göttingen in sein Stadthaus zurück. Nach dem Ende der Revolution wurde die Verzichtserklärung per Gerichtsbeschluß annulliert.

Aus  "Burg Bodenstein im Eichsfeld" von Heinrich Jobst Graf von Wintzingerode

Trotz aller Widrigkeiten ging das Leben hier im Ort weiter. Vielen Schwierigkeiten hatten die Leute standgehalten und ihr Dorf immer wieder zu neuem Leben erweckt.

Sie haben es im Prinzip ihrer Quelle „Sankt Katharina“ gleich getan. Sie entspringt jedes Jahr aufs neue aus dem Berg und so geht das Leben weiter.

 

Joomla templates by a4joomla