1.6 Das Wasser – ein entscheidender Grund der Besiedlung an diesem Ort

 

Wasser ist Leben! Wasser ist seit Alters her schon immer eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Besiedlung gewesen. Wenn man sich sesshaft machen wollte, musste diese Bedingung erfüllt sein.Heute drehen wir den Wasserhahn auf und es kümmert uns wenig, woher das erquickende Nass kommt. Oft fließt es durch viele hundert Kilometer lange Rohrleitungen, bevor es aus unserm heimischen verchromten Wasserhahn läuft.Damals musste das Wasser herangetragen werden. Später, nach der Erfindung des Rades, wurde es auch aus „größerer Entfernung“ (ein paar Kilometer höchstens) herangefahren.Das bedeutet, die Wasserstelle musste„fußläufig“ sein, sie musste zu Fuß erreichbar sein, und das zu jeder Jahreszeit.Diese Bedingung war hier gegeben.{mospagebreak}Der „Ramsbach“, dem folgend das „Grundloch“, die „Katharine“ und die „Hahle“, waren jeder Zeit zu Fuß erreichbar. Übrigens haben die genannten Bachläufe erst in den späteren Jahren, nach der Besiedlung, ihre heutigen Namen erhalten. Wobei das „Grundloch“ und der „Ramsbach“ durchaus die ältesten Namen sein könnten und die „Katharine“ der jüngste Name ist.Der Name „Ramsbach“ lässt den Schluss zu, dass er entstanden sein kann, weil an ihm das Wild seinen Durst stillte, so Wildschweine und Hasen (Rammler).Dem Namen „Grundloch“ liegt nahe, dass er nach der Tatsache benannt ist, im Grund im Tal zu liegen..Der Name „Katharine“ wurde einer Quellen und folgenden Bach verliehen, der den Ort durchfließt. Diesen Namen gaben ihm die Einwohner des Ortes.Es war die damalige Kirchgemeinde, die ihn in einer feierlichen Handlung auf den Namen „Heilige Katharina von Alexandrien“ taufte. Katharina v. Alexandrien war eine Tochter des Königs von Cypern und lebte angeblich im 4. Jahrhundert n. Chr. in Alexandrien – Ägypten – und hatte sich heimlich taufen lassen. Kaiser Maximinus ließ sie enthaupten. Sie wurde zur Märtyrerin.{mospagebreak}Dieser Name kann frühestens zu Ende des 11. Jahrhunderts hier in unserer Gegend aufgetaucht sein, da er erst im 11. Jahrhundert in das römische Messbuch aufgenommen wurde und während der „Kreuzzüge“ eine weitverbreitete Verehrung erhielt.Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Bach keinen oder einen anderen Namen.Es liegt nahe, dass dem Bach dieser Name gegeben wurde, weil er am 25. November eines jeden Jahres auf das Neue aus seinen „Heberquellen“ entspringt.Der 25. November ist auch der Namenstag der heiligen Katharina. Aus dieser Namensbenennung lässt sich auch die Darstellung der „Wasserträgerin“ ableiten. Die „Wasserträgerin“: ist eine Frau, die auf ihren Schultern, an einem Tragholz hängend, zwei mit Wasser gefüllte Holzeimer trägt.  KatharineWasser ist Leben! Wasser bedeutet aber auch Heilung, Wohlergehen und Labung.Für das stand Katharina ein, sie brachte es den Menschen.Und so bringt die „Wasserträgerin“, „Die heilige Katharina“ den Menschen das Leben im Ort. Die „Namensweihe“ für diese Quelle könnte, so lassen es die Untersuchungen zu, frühestens im 11. Jahrhundert aber noch vor der Reformation geschehen sein.In dem Buch „Die kirchliche Verwaltung des Eichsfeldes in seiner Vergangenheit“, auf Seite 167 schreibt Bernhard Opfermann, dass Wintzingerode erst 1555 eine „Seelsorge“ – Pfarrei – hatte. Diese Pfarrei war bereits eine evangelische.Wahrscheinlicher ist aber, dass die Namensgebung bereits viel früher erfolgte, vor der Reformation, denn die Vergabe von Heiligennamen war nicht das Anliegen der evangelischen Kirche, wie sie auch in unserem Ort seit der Reformation besteht.Die Ausübung des „weltlichen Amtes“ war in dieser Zeit sehr oft mit dem des „geistlichen Amtes“ verknüpft. Der „Herr“ – Freiherr, Graf, Fürst oder König – war nicht nur der Eigentümer des Landes und hatte das „Sagen“, sondern er war auch zugleich derjenige, der die „Glaubensrichtung“ vorgab, der sagte, welchen Glauben sein Volk auszuüben hatte, welche Götter anzubeten waren – er war der „Geistliche Herr“, das kirchliche Oberhaupt in seinem Herrschaftsbereich. So war der Freiherr von Wintzingerode hier das geistliche Oberhaupt und konnte demzufolge auch eine „Weihe“ durchführen.{mospagebreak}Die Durchsetzung der „Reformation“ im Herrschaftsbereich derer von Wintzingerode ist ein beredes Beispiel dafür.Es gibt aber auch noch eine, viele hundert Jahre ältere, natürliche Erklärung. Sie lässt sich aus der Arbeitsteilung im bäuerlichen Haushalt ableiten.Es war die Aufgabe des Mannes, sich um Feld und Flur zu kümmern, das Wild zu jagen und das geerntete Gut auf dem Markt zu verkaufen.Aufgaben der Frauen und der Töchter war es, sich um den Haushalt zu kümmern. Dazu gehörte selbstverständlich auch der Garten am Haus. Einen Haushalt zu betreiben, zu kochen, das Vieh zu versorgen usw. verlangte aber auch Wasser zu holen.Mit der Darstellung einer Frau als Wasserträgerin wird zugleich dargestellt, dass es die Frau ist, die das Leben bringt – beginnen mit der Geburt – und sie ist es auch, die sich darum kümmert, dass es lange erhalten bleibt.Sie führt den Haushalt, sorgt dafür, dass Speis und Trank vorhanden ist, erzieht und bildet die Kinder – den Nachwuchs, pflegt und heilt die Kranken und kümmert sich um die Alten.Die Bedingungen in dieser Gegend besitzen aber noch eine Besonderheit. Es gab und gibt eine Quelle, der man besondere Fähigkeiten nachsagt, die heute noch in den Erzählungen der „Alten“ zu hören ist.

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