6. Die Entwicklung der Landwirtschaft vom Mittelalter bis in unsere Zeit

von Werner Prohaska

Weitaus der größte Teil der Bevölkerung lebte im Mittelalter auf dem Lande, wo sich ein einheitlicher Bauernstand herausbildete. Die meisten Bauern waren Leibeigene (Hörige) eines Grundherren.

Für diesen mussten sie im frühen Mittelalter vor allem die Felder bestellen (Hand- und Spanndienste, auch Frondienste genannt). Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft wurden bis zum 14. Jahrhundert aber die Frondienste vielfach durch Abgaben ersetzt. Für das Stück Land, die Mühle oder Ähnliches, das ihm der Grundherr überließ, musste der Hörige diesem beträchtliche Natural- oder Geldabgaben leisten. Abgaben waren auch zu entrichten, wenn ein Höriger heiratete oder starb, und auch die Kirch forderte ihren Zehnt (ursprünglich ein „Zehntel“ der Erträge). Die Vergrößerung der Anbauflächen war eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Ernährung der Bevölkerung, die vom 7. bis 14. Jahrhundert auf das Dreifache angestiegen war. Eine erweiterte Feldwirtschaft war, auch in unserem Ort, nur durch die Rodung von Waldflächen und deren Urbarmachung möglich.

Für diesen mussten sie im frühen Mittelalter vor allem die Felder bestellen (Hand- und Spanndienste, auch Frondienste genannt). Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft wurden bis zum 14. Jahrhundert aber die Frondienste vielfach durch Abgaben ersetzt. Für das Stück Land, die Mühle oder Ähnliches, das ihm der Grundherr überließ, musste der Hörige diesem beträchtliche Natural- oder Geldabgaben leisten. Abgaben waren auch zu entrichten, wenn ein Höriger heiratete oder starb, und auch die Kirch forderte ihren Zehnt (ursprünglich ein „Zehntel“ der Erträge). Die Vergrößerung der Anbauflächen war eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Ernährung der Bevölkerung, die vom 7. bis 14. Jahrhundert auf das Dreifache angestiegen war. Eine erweiterte Feldwirtschaft war, auch in unserem Ort, nur durch die Rodung von Waldflächen und deren Urbarmachung möglich. {mospagebreak}Obwohl die Bevölkerungszahl wuchs, blieben die bäuerlichen Siedlungen und Dörfer auch im 13. Jahrhundert klein. Ein Dorf zählte in der Regel drei bis zehn Höfe. Dörfer mit mehreren hundert Einwohnern waren selten. Die bäuerlichen Arbeiten wurden vom Wechsel der Fruchtfolge bestimmt. Mit der DREIFELDERWIRTSCHAFT landwirtschafteten die Bauern im Mittelalter. Ein Feld wurde im Herbst gepflügt und mit Wintersaat (Roggen) versehen. Nach der Ernte im Sommer diente es als Stoppelweide für das Vieh. Erst im Frühjahr des folgenden Jahres wurde wieder gepflügt und Sommergetreide (Hafer, Gerste) mit kürzerer Wachstumsdauer eingesät. Vom Herbst an lag der Acker dann ein Jahr brach und diente wiederum als Viehweide. Diese dreijährige Fruchtfolge wurde, zeitlich versetzt, jeweils auf drei Feldern nebeneinander eingehalten, so dass sich die Arbeitsvorgänge über das ganze Jahr verteilten. Wenn der Sommer sich dem Herbst näherte, wurde es Zeit zur Ernte von Roggen und Weizen. Jeder arbeitsfähige Dorfbewohner musste mithelfen, solange die Sonne schien. Denn das Korn durfte nicht verregnen, sonst würde es faulen, und das bedeutete einen hungrigen Winter. Damals wuchs das Getreide höher als heute. Etwa auf halber Höhe wurde es abgeschnitten, zu Garben gebündelt und zum Trocknen aufgestellt. Nachdem die letzten Garben weggeackert waren, suchten die Frauen der Bauern und anderes armes Volk nach vereinzelt übrig gebliebenen Ähren ab. Das war die sogenannte Nachlese. Später wurden die überstehenden Halme gemäht und als Streu im Viehstall verwendet. Und zuletzt ließ man auf den Äckern Schafe und Ochsen grasen, deren Mist als Dünger für den Boden dienen sollte. {mospagebreak} Die mittelalterliche Dorfgemeinschaft lebte in einer Art Selbstverwaltung, welcher der Schultze vorstand. Er wurde durch die Vollhüfner des Dorfes gewählt. Die Familiennamen Schultze, Burmeister und Hagemeister wiesen auf dieses Amt hin. Auf dem Bauernhof herrschte das Anerbrecht. Der älteste Sohn bzw. der Mann der ältesten Tochter übernahm normalerweise den Hof. Erbteilungen und Zersplitterungen des bäuerlichen Besitzes entfielen dadurch. Für den Bauernstand gab es bestimmt Kleidervorschriften. Er durfte nur graues bzw. schwarzes grobes Tuch tragen, seine Haare sollten über den Ohren geschnitten sein und nicht die Lockenpracht der Adligen nachahmen. Außerdem war es dem Bauern verboten, Waffen zu tragen, was dazu beitrug, dass die ländliche Bevölkerung Angriffen relativ ungeschützt gegenüberstand. Durch den Lehnsherren wurde der Schutz seiner Untergebenen übernommen. Diese mussten als Gegenleistung Feldarbeiten übernehmen bzw. Naturalabgaben leisten. Ab dem 14. Jahrhundert konnten die Erträge der Landwirtschaft  die Ernährung nicht mehr sicherstellen, denn die Bodenreserven waren erschöpft. Der ländliche Adel hatte nun zunehmend mit dem Preisverfall für Getreide, der Zunahme von Dorfverwüstungen und der Landflucht überlebender Bauern in die Städte zu kämpfen. Es entfielen so die für ihn notwendigen Frondienste und Feudalrenten. Immer häufiger wurden ländliche Ritter nun zu Raubrittern und destabilisierten zusätzlich die Situation vor allem auf dem Lande.

Im 15. Jahrhundert sind fast überall auf dem Lande die Naturalabgaben der Bauern in Geldpachten umgewandelt worden. Da das Geld aber immer wertloser wurde, sanken die Einkünfte der Grundherren und sie gingen dazu über, die Geldrenten in Arbeitsrenten umzuwandeln. Der Landadel ging allmählich dazu über, sein Eigenland zu vergrößern und wüste oder bewirtschaftete Bauernhöfe zu legen und seinem Land zuzuschlagen. Die ursprüngliche Rechtsstellung der Bauern verschlechterte sich schleichend und die zu leistenden Arbeitsrenten an den Grundherren nahmen immer mehr zu, da sein vergrößertes Gut auf andere Weise nicht zu bewirtschaften war. Im Spätmittelalter nahm die Zahl der Konflikte zwischen Herren und Bauern stetig zu. Sie wurden radikaler und umfassten größere Gebiete. Sie führten im Jahre 1525 zum großen deutschen Bauernkrieg. Die aufständischen Bauern verwüsteten und zerstörten Burgen und Dörfer. Auch unser Dorf blieb von der Zerstörung nicht verschont. So wurden durch die Bauern Wintzingerode und die umliegenden Dörfer abgebrannt. Die Burg Bodenstein, Sitz derer von Wintzingerode, wurde teilweise zerstört, aber nicht eingenommen. Nachdem die aufständischen Bauern abgezogen waren, wurde mit dem Wiederaufbau begonnen.

Im 15. Jahrhundert sind fast überall auf dem Lande die Naturalabgaben der Bauern in Geldpachten umgewandelt worden. Da das Geld aber immer wertloser wurde, sanken die Einkünfte der Grundherren und sie gingen dazu über, die Geldrenten in Arbeitsrenten umzuwandeln. Der Landadel ging allmählich dazu über, sein Eigenland zu vergrößern und wüste oder bewirtschaftete Bauernhöfe zu legen und seinem Land zuzuschlagen. Die ursprüngliche Rechtsstellung der Bauern verschlechterte sich schleichend und die zu leistenden Arbeitsrenten an den Grundherren nahmen immer mehr zu, da sein vergrößertes Gut auf andere Weise nicht zu bewirtschaften war. Im Spätmittelalter nahm die Zahl der Konflikte zwischen Herren und Bauern stetig zu. Sie wurden radikaler und umfassten größere Gebiete. Sie führten im Jahre 1525 zum großen deutschen Bauernkrieg. Die aufständischen Bauern verwüsteten und zerstörten Burgen und Dörfer. Auch unser Dorf blieb von der Zerstörung nicht verschont. So wurden durch die Bauern Wintzingerode und die umliegenden Dörfer abgebrannt. Die Burg Bodenstein, Sitz derer von Wintzingerode, wurde teilweise zerstört, aber nicht eingenommen. Nachdem die aufständischen Bauern abgezogen waren, wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. {mospagebreak}1555 und 1572 lässt sich die Ritterschaft als Gegenleistung zur Übernahme der herzoglichen Schulden zahlreiche Privilegien in den Sternberger Reversalen festschreiben. Mit diesen Reversalen gelingt es dem Landadel endgültig, seine Abhängigkeit vom Landesherren zu durchbrechen. Sie sind die Basis dafür, dass die Ritterschaft auf der Gutsherrschaft Formen der Gutswirtschaft entwickeln kann, wirtschaftlich erstarkt und politisch zu großem Einfluss gelangt. Die Ritterschaft erhält das Recht, ihre Lehnsgüter zu verkaufen oder zu vererben. Sie setzt sich auch durch, dass den Bauern zur Pacht überlassenen Hufen an sie „zurückfallen“ können. Durch die Güter des ritterlichen Landadels werden im Verlauf des 17. Jahrhunderts, befördert noch durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, die meisten Bauernstellen gelegt. (Bauernlegen = Aufkaufen von Bauernhöfen durch Großgrundbesitzer) Der nicht gelegte Bauer hat sein günstiges Erbzinsrecht des Mittelalters eingebüßt und ist bereits leibeigener Zeitpächter mit Frondienstverpflichtung an den jeweiligen Grundherren. Eine Dorfgemeinde mit Selbstverwaltungsfunktion gibt es nicht mehr. Schultze, Gehöftsnachfolge, Aussaat-, Erntetermine und vieles andere werden im Domanium durch das Amt festgelegt. Am stärksten beeinträchtigt den Bauern die im 18. Jahrhundert rasant zunehmende Fronarbeit. Bedingt durch das Bauernlegen haben immer weniger Bauern immer mehr Frondienst zu leisten. Die eigene Wirtschaft wird durch den großen Umfang der Fronarbeit immer mehr vernachlässigt.

or allem im Verlauf dieses Jahrhunderts wird immer deutlicher, wie stark die bäuerlichen Wirtschaften daniederliegen und wie rückständig die Landwirtschaft im gesamten Land betrieben wird. Jeder Bauernsohn übernimmt von früher Kindheit an die Verhaltensweisen seiner Vaters oder der älteren Knechte. Von ihnen lernt er alle landwirtschaftlichen Arbeiten wie zum Beispiel Haken, Säen, Mähen, Dreschen, Häckseln, Mistausfahren usw. An Veränderungen in der Art des Wirtschaftens ist auf diese Weise nicht zu denken. Im 18. Jahrhundert ergaben sich zahlreiche Verbesserungen der Landbautechnik und erste Ansätze der Bauernbefreiung. Die Lösung der Bauern aus der feudalen Abhängigkeit im 18. und 19. Jahrhundert (Beseitigung der Leibeigenschaft) bildeten die Grundlage für eine neue weitere Entwicklung der Landwirtschaft. Mit der Einführung der mineralischen Düngung, des Pflanzenschutzes, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und der fortschreitenden Mechanisierung, erhöhten sich die Erträge. Die Veränderungen erleichterten die Individualisierung der Nahrungsmittelproduktion. Diese passte sich den im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wechselnden Marktbedürfnissen rasch an, wie etwa die umfassende Umstellung vom Ackerbau auf die Viehwirtschaft. Am Ende des Jahrhundert, deutlich zeigt. Die Bauern spezialisierten sich immer mehr auf die Produkte, die entweder über den Markt abgesetzt werden konnten oder deren Anbau im 20. Jh. Zunehmend durch die staatlichen Behörden organisiert wurde.

or allem im Verlauf dieses Jahrhunderts wird immer deutlicher, wie stark die bäuerlichen Wirtschaften daniederliegen und wie rückständig die Landwirtschaft im gesamten Land betrieben wird. Jeder Bauernsohn übernimmt von früher Kindheit an die Verhaltensweisen seiner Vaters oder der älteren Knechte. Von ihnen lernt er alle landwirtschaftlichen Arbeiten wie zum Beispiel Haken, Säen, Mähen, Dreschen, Häckseln, Mistausfahren usw. An Veränderungen in der Art des Wirtschaftens ist auf diese Weise nicht zu denken. Im 18. Jahrhundert ergaben sich zahlreiche Verbesserungen der Landbautechnik und erste Ansätze der Bauernbefreiung. Die Lösung der Bauern aus der feudalen Abhängigkeit im 18. und 19. Jahrhundert (Beseitigung der Leibeigenschaft) bildeten die Grundlage für eine neue weitere Entwicklung der Landwirtschaft. Mit der Einführung der mineralischen Düngung, des Pflanzenschutzes, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und der fortschreitenden Mechanisierung, erhöhten sich die Erträge. Die Veränderungen erleichterten die Individualisierung der Nahrungsmittelproduktion. Diese passte sich den im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wechselnden Marktbedürfnissen rasch an, wie etwa die umfassende Umstellung vom Ackerbau auf die Viehwirtschaft. Am Ende des Jahrhundert, deutlich zeigt. Die Bauern spezialisierten sich immer mehr auf die Produkte, die entweder über den Markt abgesetzt werden konnten oder deren Anbau im 20. Jh. Zunehmend durch die staatlichen Behörden organisiert wurde.

 

 

Von den staatlichen Organen wurden z.B. Viehzählungen und Bestandsaufnahmen von Obstbäumen angeordnet, welche auch in unserem Dorf, durchgeführt wurden. So wurde z.B. das Pferderegister, welches aufzeigte, wie viel Pferde in jedem Jahr im Ort standen, geführt.

Auszug von 1891-1907

Auszug von 1891-1907 Jahr:                 1891   92       93         94         95         96     97      98      99       1900

Anzahl/ Pferde:    37     36      33          33         34         37     39      37      35        29

Anzahl/ Pferde:    37     36      33          33         34         37     39      37      35        29

 

 

 

 

Jahr:                 1901   02        03       04       05      06      07

AnzahlPferde:       28    31        30       kein Eintrag   37      38

oder eine Liste, der im Ort gehaltenen Ziegen und Ziegenböcke

 

 

Durch das Beschlagen der Pferde mit Hufeisen konnten die Tiere 4-5 mal mehr ziehen als früher und 1-2 Stunden länger am Tag arbeiten. Die früher eingesetzten Ochsen und Rinder als Zugtiere, verloren auch im hiesigen Ort immer mehr an Bedeutung. Mit der Entwicklung der Landwirtschaft haben sich auch auf dem Lande Handwerkszünfte entwickelt, wie z.B. Müller, Bäcker, Stellmacher, Hufschmiede. Auch in Wintzingerode gab es Handwerksbetriebe – drei Mühlen – die von Wasserkraft angetrieben wurden.

 

Das waren            - die Dorfmühle,            gelegen im Ort (Schurig, Ahrens)

Das Mühlrad wurde durch die Wasserkraft des Mühlgraben angetrieben. Sie wurde bis in die 60er Jahre des 20. Jh. Betrieben.

 

                         - die Buchmühle,            außerhalb des Dorfes an der Hahle (Köhler, Benseler)

 - die Teichmühle,            außerhalb des Ortes in Richtung Ferna (Sauer).

Da die Anzahl der Pferde im Ort immer mehr zunahm, wurde auch ein Hufschmied erforderliche, der sich im Ort niederließ. Außerdem siedelte sich ein Stellmacher an. In Zeiten von Kriegen und danach, mussten die Frauen und Kinder die Arbeiten auf den Höfen und Feldern übernehmen. Der rein landwirtschaftliche Charakter des Dorfes erfuhr im 19. Jahrhundert eine starke Umwandlung, indem eine lebhaft betriebene Hausindustrie einsetzte und bis Anfang des 20. Jahrhunderts das wirtschaftliche Leben beeinflusste. Z.B. der Anbau von Tabak mit Verarbeitung zu Zigarren.

 

Entstehung von Betrieben des Bauhandwerkes, wie Tischler und Maurer.

So waren z.B. vor dem 2. Weltkrieg, lt. Viehzählungsliste von 1938, 136 Personen in der Landwirtschaft des Ortes tätig. Sie bewirtschafteten eine Fläche von 368 ha, die sich wie folgt aufgliederte:

74 Landarbeiter            bewirtschafteten            bis zu 1,0 ha

74 Landarbeiter            bewirtschafteten            bis zu 1,0 ha            

74 Landarbeiter            bewirtschafteten            bis zu 1,0 ha             21 Landarbeiter            bewirtschafteten                 1 – 2 ha

19 Kleinstbauern            bewirtschafteten                 2 – 5 ha

10 Mittelbauern            bewirtschafteten               5 – 10 ha            

10 Mittelbauern            bewirtschafteten               5 – 10 ha             12 Bauern             bewirtschafteten             10 – 20 ha

 

Es gab einen Viehbestand von 41 Stck. Pferden171 Stck.  Rindvieh, 133 Stck. Schafe, 484 Stck. Schweine, 239 Stck. Ziegen und Ziegenböcke,  50 Stck. Kaninchen, 1437 Stck. Hühner, und 78 Stck. Bienenvölker.              

Außerdem wurden vom Grafen von Wintzingerode auf Bodenstein Flächen von 1.164 ha bewirtschaftet. Von den 1.164 ha sind ca. 800 ha Waldfläche. {mospagebreak}

Es gab einen Viehbestand von:

14 Stck. Pferden, 71 Stck. Rindvieh,  185 Stck. Schafe,  61 Stck. Schweine, 2 Stck. Ziegen, 4 Stck. Kaninchen, 273 Stck. Hühner und 2 Stck. Bienenvölker

 Nach dem 2. Weltkrieg wurden zwischen 1945 und 1949 in der sowjetischen Besatzungszone eine Bodenreform durchgeführt. Durch die Bodenreform wurden Güter über 100 ha und der Bodenbesitz von „Nazi-Aktivisten“ eingezogen und vergesellschaftet.

 

Der enteignete Grundbesitz wurde auf

-  selbständige Bauern-   Gemeinden, Städt-   Neubauernhöf

- und genossenschaftliches Eigentum (volkseigene Güter) verteilt.

 

Auch das Eigentum derer von Wintzingerode auf Burg Bodenstein wurde enteignet.

 

An Ländereien:            1. Ackerland 129,22 ha

                               2. Gartenland  1,00 ha

                               3. Wiesen  15.70 ha

                               4. Weiden  37,70 ha

                               5. Schafweiden 18,00 ha

                               6. Waldflächen  801,38 ha

 

                              Gesamt          1.003,00 ha {mospagebreak}

 

Im Ortsteil Bodenstein wurden nach Kriegsende Neubauernhöfe eingerichtet:

 

Alter, Oswald Schuchardt, Schulz Artur, Puchstein Alfred, Stadermann Meta, Spitzer, Heidmann und Stadermann Paul in Adelsborn.Sie bewirtschafteten die enteigneten Ländereien derer von Wintzingerode, die in Volkseigentum übergegangen waren.

In der Nachkriegszeit kam der Landwirtschaft, auch in unserem Ort, eine besondere Bedeutung zu. Die Notlage der Bevölkerung nach dem Krieg war groß und die Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht gesichert. Die Arbeit der Bauern war schwer und die Erträge karg. Durch die staatlichen Organe der sowjetischen Besatzungszone wurden Kontrollen über die Viehbestände und Erträge der Feldwirtschaft durchgeführt. So wollte man den Schwarzhandel unterbinden.

10 Großbauern und 21 Kleinbauern bewirtschafteten die Ländereien in Wintzingerode. Die Selbstversorgung war zu jener Zeit lebensnotwendig. Viele, die kein Land besaßen, pachteten Land an. Oft war die selbstständige Bewirtschaftung aber nicht möglich. So war die Hilfe der Bauern notwendig. Diese bearbeiteten das Land mit ihren Pferden und Gerätschaften. Dafür halfen die Leute als Gegenleistung bei der Pflege der Feldfrüchte und Einbringen der Ernte. Mit Beschluss der II. Parteikonferenz der SED Anfang Juli 1952, in der DDR mit dem Aufbau des Sozialismus zu beginnen, erging an die Bauern die Forderung, sich zu LPGs zusammenzuschließen. Noch im selben Jahr gab es 2.000 Genossenschaften mit 37.000 Mitgliedern. Hierbei handelte es sich zunächst nur um den Typ I, in der die Genossen, meist Neubauern, nach der Bodenreform nur die landwirtschaftliche Nutzfläche einbrachten, Geräte und Vieh aber in Privatbesitz behielten. Ein Typ II, bei dem nur noch die häusliche Haus- und Gartenwirtschaft privat blieb, musste erst mit erheblichem Druck durchgesetzt werden. Auch vor unserem Dorf machte die Entwicklung der Landwirtschaft in der DDR nicht halt. 1958 schlossen sich in Bodenstein 6 Neubauernbetriebe wegen Alter, Krankheit und Wirtschaftsunfähigkeit zu einer ÖLB (Örtlicher landwirtschaftlicher Betrieb) zusammen. Der ÖLB umfasst eine Gesamtfläche von 82 ha. In der Perspektive stand für diesen die Entwicklung zur LPG oder VEG mit einer ausgesprochenen Rindviehzucht (Milchgewinnung) und der Kartoffelvermehrung.

 

Folgende Betriebe fassten den Beschluss:

 

-          Seyffert, Richard

-          Alter, Oswald

-          Puchstein Alfred

-          Marth, Willi

-          Stadermann, Meta

-          Stadermann, Paul  

1959 schlossen sich: Kuhn Erst, Wintzingerode/Bodenstein            

- Weber, Therese, Wintzingerode            

- Kranert, Heinrich,Kirchohmfeld der ÖLB an.Richard Seyffert war Betriebsleiter. {mospagebreak}

 

Im Dezember 1959 beantragten die Mitglieder der ÖLB die Gründung einer LPG vom Typ III. Diese wurde am 01. Februar 1960 mit dem Namen LPG Typ III „Am Bornberg“ Wintzingerode/Bodenstein gegründet.

 

Am 29. März 1960 wurde die LPG Typ I „Am Kanstein“ in Wintzingerode gegründet.

 

Mitglieder:                                46

Eingebrachte Betriebe:            28

Landwirtsch. Nutzfläche            91,02 ha  

Am 19. Januar 1961 kam es zur Gründung der LPG Typ I „Am Schlossberg“ Wintzingerode/Bodenstein.  

Mitglieder:                                10

Eingebrachte Betriebe:            4

Landwirtsch. Nutzfläche:            29,12 ha Ackerland  

Die LPG „Am Kanstein“ bewirtschaftete 1969 eine Gesamtfläche von 269,47 ha. Das waren im einzelnen:             1. Ackerland            161,33 ha            

2. Grünland            103,57 ha            

3. Obstland              4,57 ha

Die Genossenschaft hatte zu diesem Zeitpunkt 55 Mitglieder:             - Verwaltung                  2            (1 Mann / 1 Frau)            

- Viehwirtschaft            8            (3 Männer / 5 Frauen)            

- Feldwirtschaft         23        (11 Männer / 12 Frauen)  

und nicht oder wenig arbeitende Mitlieder   22 VBW.

Der Viehbestand der LPG am 30. August 1969:            

a. Rinder gesamt 142, dav. Kühe 37            

b. Schweine gesamt 204 dav. Säue 23            

c. Schafe 75            

d. Mast-Broiler ca. 2640

Die weitere Entwicklung war durch Vorgaben der Agrarpolitik geprägt, einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad zu erreichen. Das zwang zu weiterer Konzentration durch Zusammenlegung, zu Spezialisierung und Rationalisierung. Es entstanden die LPG – Pflanzenproduktion - und die LPG – Tierproduktion -. Die Ackerflächen der Gemarkung Wintzingerode gingen in die Flächen der LPG – Pflanzenproduktion Teistungen ein. Alle Weideflächen und Stallungen mit Tierbeständen in die LPG – Tierproduktion Kirchohmfeld.

 

Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde auch das Gesetz über die LPG zum 31. Dezember 1991 aufgehoben. Die bestehenden LPGs mussten nun in Genossenschaften nach Bundesrecht umgewandelt werden.

In unserem Ort gibt es zum heutigen Tage keine Haupterwerbsbauern mehr.

 

 

 

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