Im Ostflügel befindet sich die barocke Schloßkapelle, die 1668 von Heinrich Jobst v.W. vollendet wurde. ebenso wie der Festsaal ist sie niederländisch beeinflußt. Durch das Kapellenportal tretend sieht sich der Betrachter dem Altarbild mit der aufgesetzten Orgel und der Kanzel gegenüber. Das Altarbild ist wie die anderen Gemälde an der Kanzel und dem Epitaph im eindrücklichen Stil des frühen Bauernbarock gehalten. Das Altarbild stellt das Abendmahl dar. Auf dem Schoß Jesu erkennt man den Erbauer der Kapelle als Johannes. Zwischen Altarbild und Orgelprospekt ist eine von vergoldeten Löwen gehaltene Kartusche mit dem reichsgräflichen Wappen angebracht. Der erste Graf von Wintzingerode ließ es an Stelle eines alten freiherrlichen Wappens anbringen. Hinter dem eigentlichen Familienwappen ist das Komturkreuz des Johanniterordens zu sehn. Über der Wappenkartusche beginnt der Orgelprospekt. Das barocke Instrument stammt aus der Zeit um 1740. Daß es der Silbermannschule zu zu rechnen sei, ist umstritten. Rechts neben der Orgel ist die Kanzel mit Baldachin in die Wand eingelassen, die mit den Bildnissen der vier Evangelisten geschmückt ist. In der rechten Wand befinden sichnzwei gotisierende, gleichwohl aus dem Barock stammende Fenster. Ihre Scheiben sind aus verschiednen Glage,älden zusammengesetzt, wovon eines, die heilige Katharina darstellend, etwa 800 Jahre alt ist.

Die Fenster auf der Hofseite sind ebenfalls aus Glasmalereien zusammengesetzt, die aus dem Umfeld der Grafen und Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg-Steinfurt im Münsterland stammen. Zwischen den beiden gotisierenden Fenstern ist ein großes Epitaph für den Vollender der Kapelle Heinrich Jobst und seine Familie angebracht. Es ist mit den Wappen der Vorfahren Heinrich Jobsts und seiner Frau Anna Susanna von Barby geschmückt. In diesem Epitaph zeigt sich in besonderer Weise die Geisteshaltung und Frömmigkeit derer von Wintzingerode. Die beiden Figuren zur Rechten und zur Linken symbolisieren mit ihren Insignien Gerechtigkeit (justitia) und Glauben bzw. Vertrauen in Gott (fides). Das Bild erzählt im Stil der Votivmalerei eine Geschicht aus dem Neuen Testament: Jesus läßt die Kinder zu sich kommen und stellt sie den Erwachsenen als Vorbild vor die Augen. An die Stelle der Kinder hat sich Heinrich Jobst mit seiner Familie darstellen lassen. Für Gerechtigkeit streiten und im kindlichen Vertrauen nach Gott zu fragen, scheint ein leitendes Motiv gewesen zu sein. Daß der Bauherr dabei auch einen ausgeprägten Sinn für Humor hatte, ist im Gemälde ganz oben über dem Epitaph zu erkennen. Es zeigt eine rundliche nackte Frau in arkadischer Landschaft, die zufrieden lächelnd Seifenblasen bläßt und es sich auf einer solchen bequem gemacht hat.{mospagebreak}

Unter diesem Epitaph hat der erste Reichsgraf von Wintzingerode, der Premierminister Georg Ernst Levin, eine klassizistische Gedenktafel aus schwarzem Marmor für seinen Vater Achaz Phillip in die Wand einfügen lassen. Des weiteren ist über dem Portal ein zweites Epitaph zu sehen, daß an Adolph Ernst v.W., der "dieser Herrschaft den evangelischen Glauben erhielt", erinnert. Er, der Vater von Heinrich Jobst, hatte die Kapelle 1647 als Dank für das Ende des Dreißigjährigen Krieges begonnen. Links von diesem Epitaph führt eine kleine Tür und eine versteckte Treppe in und auf die Empore für die Gutsangestellten und die Dienerschaft, wobei die Männer oben und die Frauen unten saßen.
Auf der anderen Seite führt eine offene Treppe in einen separaten, doch durch große Fensteröffnungen mit der Kapelle verbundenen Raum, auch Jägerzimmer genannt. Es handelt sich um die empore (Prieche) für die Familie v.W.. Ihre Wände sind mit üppigen, vielleicht aus Holland stammenden Wandteppichen bespannt, die prächtig ausgesaltete antike Szenen zeigen. Das zum Innenhof hin gewandte Fenster der Prieche ist mit einzelnen bunten Glasfenstern geschmückt. Darunter sin zwei Portraits des Grafen Georg Ernst Levin und eine Ansicht des Schlosses aus dem frühen 19. Jh., ferner die Wappen einiger eingeheirateter Frauen und verschiedene romantische Szenen. Der Taufengel, der an der Decke der Kapelle hängt, wurde 1910 anläßlich der Taufe der Gräfin Mehthild nach dem Vorbild der Taufengel in den Patronatskirchen der Herrschaft Bodenstein angefertigt. Außerdem gehören zur Ausstattung der Schloßkapelle mehrere Bronzeleuchter aus der selben Epoche und einige mit floralen Motiven bemalte Barockkirhcbänke. Die Gemälde an de rWand links vom Altar stellen zwei Apostel dar und sind Kopien nach Albrecht Dürer. Bemerkenswert ist der sonst ganz selten erhaltene Gipsfußboden der Kapelle aus dem 17. Jh.. Bei seiner Restaurierung stieß man auf Grundmauern asu dem 12. Jh. und auf seltene ton- und Glasscherben aus dem späten Mittelalter. Die Glocke im Dachgeschoß des Kapellenflügels gehört zu den ganz selten erhaltenen Glocken aus dem 13. Jh.

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